Geschichte des Schlagers

Schlager der 90er und Nullerjahre: Die Hits einer Generation

Vom Uncool zum Partyhit: wie der Schlager in den 1990ern neu entdeckt wurde und in den 2000ern mit Schlagerpop und Mallorca-Hits ein Millionenpublikum fand.

Die Schlager der 90er und Nullerjahre stehen für ein überraschendes Comeback. Anfang der 1990er galt der Schlager bei Jüngeren als Musik der Eltern, zehn Jahre später feierten sie ihn auf Mallorca, in Studentenkneipen und auf großen Schlagerpartys. Hits wie „Verdammt, ich lieb’ dich“, „Du hast mich tausendmal belogen“ und „Ein Stern (der deinen Namen trägt)“ wurden zu Hymnen einer Generation, die mit diesem Sound erwachsen geworden ist.

Dieser Artikel zeigt, wie es zu diesem Wandel kam, welche Hits die beiden Jahrzehnte geprägt haben und wie daraus der heutige Schlagerpop entstand. Den Überblick über alle Epochen bietet die Geschichte des deutschen Schlagers.

Die wichtigsten Hits der 90er und 2000er

Jahr Titel Interpret Bedeutung
1990 Verdammt, ich lieb’ dich Matthias Reim Riesenerfolg zum Start des Jahrzehnts
1990er Hier kommt Kurt Frank Zander Humorvoller Partytitel
1998 Guildo hat euch lieb! Guildo Horn Kultauftritt beim Eurovision Song Contest
1999 Anton aus Tirol DJ Ötzi Après-Ski-Hit und Durchbruch
2001 Du hast mich tausendmal belogen Andrea Berg Hymne der Schlagerpop-Ära
2001 Wer Liebe lebt Michelle Eurovisionsbeitrag für Deutschland
2007 Ein Stern (der deinen Namen trägt) DJ Ötzi und Nik P. Einer der erfolgreichsten Partyschlager
2009 Küss mich, halt mich, lieb mich Ella Endlich Gesangsversion einer bekannten Filmmusik

Eine Auswahl über alle Jahrzehnte finden Sie in der Liste der 50 bekanntesten deutschen Schlager.

Anfang der 90er: Matthias Reim und Wolfgang Petry

Das Jahrzehnt begann mit einem Paukenschlag. Matthias Reim landete 1990 mit „Verdammt, ich lieb’ dich“ einen Hit, der wochenlang die Charts anführte und bis heute auf keiner Schlagerparty fehlt. Das Lied klang rockiger und direkter als viele Schlager der 80er und sprach damit auch ein jüngeres Publikum an.

Noch prägender für die 90er war Wolfgang Petry. Mit Schnauzbart, Holzfällerhemd und Freundschaftsbändchen am Arm wurde er zum Gegenbild des glatten Schlagerstars. Seine Lieder waren laut, rau und zum Mitgrölen gemacht, seine Konzerte füllten große Hallen. Wolfgang Petry zog sich Mitte der 2000er-Jahre von der Bühne zurück, seine Lieder laufen bis heute auf jeder Schlagerparty. Kurzprofile beider Stars finden Sie im Lexikon unter Matthias Reim und Wolfgang Petry.

Das Partyrevival: Schlager mit Augenzwinkern

Der eigentliche Wandel kam von unten. In Universitätsstädten und Clubs entstanden Schlagerpartys, auf denen junge Leute in Schlaghosen und mit Perücken die Hits der 70er feierten. Was anfangs ironisch gemeint war, wurde schnell zu echter Begeisterung. Interpreten wie Dieter Thomas Kuhn machten mit Föhnwelle und Schlagercovern Karriere, und in Hamburg zog der Schlagermove als bunte Parade durch die Straßen.

Den Höhepunkt dieser Welle markierte Guildo Horn. Mit langen Haaren, Samtanzug und großer Bühnenshow trat er 1998 beim Eurovision Song Contest an. Sein Auftritt polarisierte, machte ihn aber zum Kultstar und zeigte, dass Schlager wieder Gesprächsthema war. Mehr zu ihm lesen Sie im Lexikon unter Guildo Horn.

Für die Fernsehgeschichte bedeutete das Jahrzehnt dagegen ein Ende: Die ZDF-Hitparade lief im Jahr 2000 aus. Ihre Rolle übernahmen große Samstagabendshows und, für die volkstümliche Richtung, Sendungen wie der „Musikantenstadl“.

Mallorca, Après-Ski und Partyschlager

Parallel entwickelte sich eine ganz eigene Szene. Am Strand von Mallorca, in den Kneipen der Playa de Palma und in den Skihütten der Alpen entstand Musik, die nur ein Ziel hatte: Stimmung. Die Refrains wurden noch einfacher, die Texte humorvoller, die Mitmach-Rufe lauter.

DJ Ötzi wurde mit „Anton aus Tirol“ zum Gesicht dieser Welle und landete später zusammen mit Nik P. mit „Ein Stern (der deinen Namen trägt)“ einen der erfolgreichsten Partyschlager überhaupt. Jürgen Drews, der Star der 70er, erfand sich als „König von Mallorca“ neu. Wie diese Szene funktioniert und welche Titel dort gespielt werden, erklären wir im Artikel über Mallorca-Partyschlager.

Die 2000er: Andrea Berg und der neue Sound

In den Nullerjahren wurde der Schlager professioneller und moderner produziert. Andrea Berg prägte das Jahrzehnt wie kaum eine andere. „Du hast mich tausendmal belogen“ aus dem Jahr 2001 wurde zu einer Hymne, ihre Alben hielten sich außergewöhnlich lange in den Charts. Ihr Sound verband klassische Schlagermelodien mit treibendem Discofox-Rhythmus und einer Produktion, die näher am Radiopop lag als frühere Schlager.

Weitere prägende Namen der 2000er:

  • Michelle vertrat Deutschland 2001 beim Eurovision Song Contest mit „Wer Liebe lebt“.
  • Semino Rossi brachte südamerikanische Romantik in den volkstümlichen Schlager.
  • Ella Endlich wurde 2009 mit der Gesangsversion der Filmmusik aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ bekannt.
  • Helene Fischer veröffentlichte Mitte des Jahrzehnts ihre ersten Alben und wurde in den 2010er-Jahren zum größten Star des Genres.

Aus diesem Sound entwickelte sich der Begriff Schlagerpop, der den Schlager bis heute prägt. Was ihn ausmacht und wie er sich vom klassischen Schlager unterscheidet, lesen Sie im Artikel Schlagerpop.

Volkstümliche Musik im Fernsehen

Während die Partyszene den Schlager feierte, erlebte die volkstümliche Musik im Fernsehen ihre Hochphase. Der „Musikantenstadl“ und weitere Sendungen mit Trachten, Bergkulisse und Mitklatschen erreichten am Samstagabend ein großes Publikum. Das ZDF ergänzte die Hitparade um eine eigene volkstümliche Ausgabe, und Wettbewerbe wie der „Grand Prix der Volksmusik“ machten Gruppen und Interpreten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol bekannt. Die Kastelruther Spatzen gehörten zu den erfolgreichsten Gruppen dieser Richtung, im Lexikon finden Sie ein Kurzprofil unter Kastelruther Spatzen.

So entstanden in diesen Jahren zwei Schlagerwelten nebeneinander: die volkstümliche für ein eher älteres Fernsehpublikum und die Partyszene für junge Leute. Erst der Schlagerpop der 2000er hat beide Publikumsgruppen wieder stärker zusammengeführt. Die Unterschiede der Spielarten erklärt unser Überblick Volksmusik und die Genres des Schlagers.

CD-Boom und Sampler

Auch die Art, Musik zu kaufen, prägte diese Jahre. Die CD hatte die Schallplatte abgelöst, und Schlagerfans kauften Alben besonders treu. Beliebt waren Sampler mit Partyhits, Sommer- und Après-Ski-Zusammenstellungen, die im Fernsehen beworben wurden und die Hits einer Saison bündelten. Gegen Ende der 2000er-Jahre kamen Downloads dazu, das Streaming setzte sich erst im folgenden Jahrzehnt durch.

Was sich in diesen 20 Jahren verändert hat

Bereich Anfang der 1990er Ende der 2000er
Image Musik der Eltern, eher uncool Partymusik für alle Generationen
Sound Schlagerballade, erste Rockeinflüsse Schlagerpop mit Discofox-Beat und Popproduktion
Bühne Fernsehshows, Hallentourneen Arenen, Festivals, Mallorca, Après-Ski
Medien ZDF-Hitparade, Radio, CD Samstagabendshows, Musikvideos, erste Downloads
Publikum Überwiegend ältere Fans Gemischt, viele junge Partygäste

Die Generation, die mit diesen Hits groß wurde

Wer in den 1990ern oder 2000ern jung war, verbindet diese Lieder mit Abifeiern, Klassenfahrten, ersten Mallorca-Urlauben und Skifreizeiten. Genau deshalb funktionieren sie heute auf Hochzeiten und runden Geburtstagen so gut: Sie wecken Erinnerungen, und fast jeder kann den Refrain mitsingen. Für die Partyplanung lohnt sich ein eigener Block mit Titeln aus diesen Jahren, am besten nach den Klassikern der 70er und vor den aktuellen Schlagerpop-Hits. Ein solcher Block kann so aussehen:

  1. „Verdammt, ich lieb’ dich“ als Einstieg, den fast alle Gäste mitsingen.
  2. Ein, zwei Titel von Wolfgang Petry für die laute Mitgrölrunde.
  3. „Du hast mich tausendmal belogen“ für die Discofox-Paare.
  4. „Ein Stern (der deinen Namen trägt)“ als Höhepunkt mit erhobenen Armen.
  5. „Küss mich, halt mich, lieb mich“ als ruhigerer Ausklang.

Die Stars, die diese Zeit geprägt haben, porträtieren wir ausführlicher in der Halle des Ruhms. Tipps für Ablauf und Musikauswahl finden Sie im Ratgeber Schlagerparty planen.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welche Schlager waren in den 90ern erfolgreich?
Zu den bekanntesten Titeln der 1990er zählen „Verdammt, ich lieb’ dich“ von Matthias Reim, die Hits von Wolfgang Petry, „Hier kommt Kurt“ von Frank Zander und „Guildo hat euch lieb!“ von Guildo Horn, mit dem er 1998 beim Eurovision Song Contest antrat.
Welche Schlager prägten die 2000er-Jahre?
Die Nullerjahre prägten unter anderem Andrea Berg mit „Du hast mich tausendmal belogen“, Michelle mit „Wer Liebe lebt“, DJ Ötzi und Nik P. mit „Ein Stern (der deinen Namen trägt)“ sowie Ella Endlich mit „Küss mich, halt mich, lieb mich“. Gegen Ende des Jahrzehnts startete Helene Fischer ihre Karriere.
Warum wurde Schlager in den 90ern wieder beliebt?
Weil eine junge Generation ihn als Partymusik entdeckte. Was die Eltern ernst gehört hatten, feierten Studentinnen und Studenten mit Augenzwinkern, Schlaghosen und Perücken. Aus der Ironie wurde mit der Zeit echte Begeisterung, und die Plattenfirmen reagierten mit neuen, moderner produzierten Titeln.
Ist Ballermann-Musik auch Schlager?
Ja, als eigene Spielart. Partyschlager setzt auf einfache, laute Refrains, Mitmach-Rufe und Humor. Er entstand vor allem auf Mallorca und in Skigebieten und wird heute auch im Festzelt und auf Schlagerpartys gespielt.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Star News Fabrik.