Geschichte des Schlagers

Akkordeon, Keyboard und Co.: typische Instrumente im Schlager

Vom Orchester der 1950er über Akkordeon und Steirische bis zu Synthesizer und Drumcomputer: welche Instrumente den Klang des Schlagers prägen und warum.

Typische Instrumente im Schlager sind Keyboard und Synthesizer, Schlagzeug oder Drumcomputer, Bass, Gitarre sowie Streicher und Bläser. Im volkstümlichen Schlager kommen Akkordeon, Steirische Harmonika, Trompete und Klarinette hinzu. Welche Instrumente dominieren, hat sich mit den Jahrzehnten deutlich verändert: vom großen Orchester der Nachkriegszeit über den Discosound der 1970er und die Synthesizer der 1980er bis zu den elektronischen Beats des heutigen Schlagerpop.

Dieser Beitrag stellt die wichtigsten Instrumente vor, erklärt ihre Rolle im Klangbild und zeigt, wie sich der Sound über die Zeit gewandelt hat. Es geht dabei um Klang und Geschichte, nicht um das Erlernen der Instrumente. Den Gesamtüberblick über das Genre bietet die Schlager-Geschichte.

Die Instrumente im Überblick

Instrument Rolle im Klangbild Typisch für
Keyboard und Synthesizer Flächen, Melodien, Bass, Effekte Discofox, 1980er bis heute
Schlagzeug und Drumcomputer Rhythmus, Tanzbarkeit Alle Spielarten, elektronisch seit den 1980ern
E-Bass und Synthbass Fundament, Groove Discofox, Schlagerpop
Akustik- und E-Gitarre Begleitung, Soli, Lagerfeuerklang Balladen, Countryschlager, Partyschlager
Streicher Gefühl, Glanz, große Momente Schlager der 1950er bis 1970er, Balladen
Bläser Kraft, Feststimmung Orchesterschlager, volkstümlicher Schlager
Akkordeon Wärme, Nostalgie, Seefahrer- und Frankreichklang Seemannsschlager, Chanson-Schlager
Steirische Harmonika Alpenländischer Klang Volkstümlicher Schlager, Alpenschlager
Klavier Begleitung, Liedermacher-Gestus Balladen, Udo-Jürgens-Stil
Saxofon Sinnlichkeit, Großstadtnacht Balladen der 1980er-Jahre

Das Orchester: der Klang der 1950er- und 1960er-Jahre

In den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg wurden Schlager meist mit Orchester aufgenommen. Streicher sorgten für Gefühl und Glanz, Bläser für Schwung, ein Rhythmusteil aus Schlagzeug, Kontrabass, Gitarre und Klavier hielt alles zusammen. Häufig sang ein Chor im Hintergrund. Die Arrangements stammten von Orchesterleitern, die Unterhaltungsmusik aus Radio und Film kannten.

Typisch für diese Zeit war auch der Hang zum Fernweh-Klang: Hawaiigitarren für die Südsee, Mandolinen für Italien, Kastagnetten und Trompeten für Spanien und Mexiko. Das Instrument erzählte mit, wohin die Reise im Lied ging.

Das Akkordeon: Wärme und Fernweh

Das Akkordeon gehört zu den Instrumenten, die man sofort mit Schlager und Volksmusik verbindet. Es klingt warm, ein wenig wehmütig und kann zugleich Melodie und Begleitung spielen. Im Seemannsschlager steht es für Hafen und Abschied, im Chanson-Schlager für Paris und Straßencafé, auf dem Volksfest für Geselligkeit. Freddy Quinn und andere Sänger der Wirtschaftswunderzeit prägten das Bild des Seemannslieds mit, das ohne Akkordeon kaum vorstellbar ist. Mehr zu ihm im Lexikon unter Freddy Quinn.

Steirische Harmonika, Trompete und Klarinette: der volkstümliche Klang

Im volkstümlichen Schlager kommen Instrumente aus der alpenländischen Volksmusik zum Einsatz. Die Steirische Harmonika, ein diatonisches Handzuginstrument, gibt vielen Titeln ihren unverwechselbaren Klang. Trompete, Flügelhorn und Klarinette stammen aus der Blasmusik, Tuba oder Bass sorgen für das typische Fundament. Dazu kommen je nach Region Hackbrett, Zither oder Gitarre.

Der Unterschied zur echten Volksmusik liegt weniger in den Instrumenten als in der Produktion: Im volkstümlichen Schlager werden sie meist mit Schlagzeug, Bass und Keyboard kombiniert und im Studio poliert. Mehr zur Abgrenzung lesen Sie unter Volksmusik und die Genres des Schlagers.

Gitarre: von der Ballade bis zum Partyhit

Die Gitarre ist im Schlager eher Begleiterin als Hauptdarstellerin. Akustische Gitarren geben Balladen und Countryschlagern einen natürlichen Klang, die E-Gitarre bringt Kraft in Rock- und Partytitel. In den 1960er-Jahren, als Beatmusik den Schlager herausforderte, nahmen viele Produktionen E-Gitarren auf, um jünger zu klingen. Kurze Gitarrensoli zwischen Strophe und Refrain gehören bis heute zum Repertoire.

Klavier und Flügel

Das Klavier ist das Instrument der Liedermacher im Schlager. Am bekanntesten ist das Bild von Udo Jürgens am Flügel, der seine Lieder selbst begleitete. Ein Klavier gibt Balladen Intimität: Es braucht nur Stimme und Tasten, um ein Lied zu tragen. Im Lexikon finden Sie ihn unter Udo Jürgens.

Keyboard und Synthesizer: der Klang ab den 1980er-Jahren

Mit erschwinglichen Synthesizern und Drumcomputern veränderte sich der Schlager in den 1980er-Jahren grundlegend. Statt großer Orchester genügten nun wenige Musiker oder sogar ein einzelner Produzent mit Keyboards. Streicher und Bläser wurden durch synthetische Klänge ersetzt, der Rhythmus kam aus der Maschine.

Daraus entstand der typische Discofox-Sound: ein gleichmäßiger, tanzbarer Beat, ein pulsierender Synthbass und glänzende Keyboardflächen. Viele Hits der 1980er- und 1990er-Jahre folgen diesem Rezept. Warum dieser Rhythmus sich so gut tanzen lässt, erfahren Sie im Bereich Discofox tanzen.

Auch Alleinunterhalter auf Hochzeiten und Festen nutzen Keyboards mit eingebauten Begleitautomatiken. So kann eine Person den Klang einer ganzen Band erzeugen.

Beats und Klangbibliotheken: der moderne Schlagerpop

Heute entstehen viele Schlager am Computer. Produzenten arbeiten mit programmierten Beats, Synthesizern aus dem Bereich elektronischer Tanzmusik und Klangbibliotheken, die Streicher, Bläser oder Akkordeon täuschend echt nachbilden. Der moderne Schlagerpop klingt deshalb oft näher an internationaler Popmusik als am Orchesterschlager früherer Jahrzehnte. Auch Effekte auf der Stimme, etwa hörbare Tonhöhenkorrektur, werden teils bewusst als Stilmittel eingesetzt.

Wie aus diesen Bausteinen ein fertiges Lied wird, beschreibt der Artikel Wie entsteht ein Schlager?.

Hörübung: Instrumente im Lied erkennen

Wer genauer hinhört, entdeckt in vielen Schlagern mehr Instrumente, als man beim Mitsingen bemerkt. So gehen Sie vor:

  1. Auf den Beat achten: Ist der Rhythmus gleichmäßig und maschinell, oder hört man kleine Schwankungen eines echten Schlagzeugs?
  2. Den Bass suchen: Spielt er lange Töne oder pulsiert er im Achtelrhythmus, wie es für Discofox typisch ist?
  3. Das Intro hören: Viele Schlager stellen ihr wichtigstes Instrument im Intro vor, etwa eine Akkordeonmelodie, ein Gitarrenmotiv oder eine Synthesizerfigur.
  4. Den Zwischenteil beachten: Nach dem zweiten Refrain spielt oft ein Soloinstrument, im volkstümlichen Schlager gern Trompete oder Steirische.
  5. Auf Flächen achten: Ein breiter Klangteppich im Hintergrund stammt meist von Streichern oder Synthesizern.

Ein guter Vergleich ist ein Lied aus den 1970er-Jahren und ein aktueller Schlagerpop-Titel hintereinander: Im älteren Lied sind meist echte Streicher und Bläser zu hören, im neueren elektronische Beats und Synthesizer. Auch Coverversionen und Neuaufnahmen alter Hits eignen sich gut, weil dieselbe Melodie in zwei Klanggewändern erklingt.

Der Klangwandel im Zeitraffer

Zeit Prägende Instrumente Klangbild
1950er Orchester, Chor, Hawaiigitarre, Akkordeon Weich, gefühlvoll, Fernweh
1960er Orchester plus E-Gitarre und Beat-Band Jünger, rhythmischer
1970er Streicher, Bläser, Disco-Rhythmus Opulent, tanzbar
1980er Synthesizer, Drumcomputer, Saxofon Elektronisch, glatt
1990er Keyboard, Discofox-Beat, volkstümliche Instrumente Tanzbar, teils alpenländisch
2010er bis heute Programmierte Beats, Synths, Klangbibliotheken, Gitarre Pop-nah, druckvoll

Live auf der Bühne: Band oder Playback?

Bei großen Tourneen spielen Schlagerstars häufig mit einer Live-Band, ergänzt durch eingespielte Klänge, die sich live schwer erzeugen lassen. In Fernsehshows und bei kurzen Auftritten auf Festen ist dagegen Playback verbreitet: Die Musik kommt vom Band, die Stimme live oder ebenfalls eingespielt. Für das Publikum lohnt sich ein Blick in die Konzertbeschreibung, wenn eine Live-Band wichtig ist.

Merke: Das Instrument verrät oft die Spielart. Akkordeon und Steirische deuten auf volkstümlichen Schlager, Streicher auf klassischen Schlager, pulsierender Synthbass auf Discofox und elektronische Beats auf modernen Schlagerpop.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welches Instrument ist typisch für den Schlager?
Das eine typische Instrument gibt es nicht. Prägend für den Klang seit den 1980er-Jahren sind Keyboard und Synthesizer, im volkstümlichen Schlager das Akkordeon und die Steirische Harmonika. Im klassischen Schlager der 1950er- bis 1970er-Jahre standen Orchester mit Streichern und Bläsern im Vordergrund.
Was ist der Unterschied zwischen Akkordeon und Steirischer Harmonika?
Beide sind Handzuginstrumente. Das Akkordeon ist meist chromatisch und klingt beim Ziehen und Drücken gleich. Die Steirische Harmonika ist diatonisch und wechseltönig: Eine Taste erzeugt beim Ziehen einen anderen Ton als beim Drücken. Sie ist typisch für alpenländische Volksmusik und den volkstümlichen Schlager.
Werden Schlager heute noch mit echten Instrumenten aufgenommen?
Teils ja, teils nein. Viele moderne Produktionen entstehen weitgehend am Computer mit programmierten Beats, Synthesizern und Klangbibliotheken. Gitarren, Gesang und einzelne Soloinstrumente werden häufig weiterhin echt eingespielt. Bei Live-Auftritten kommt je nach Show eine Band oder ein Playback zum Einsatz.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Star News Fabrik.